155 Jahre ÖKB Wildon

Zur Segnung des restaurierten Kriegerdenkmals in Wildon anlässlich des 155-jährigen Bestands des Ortsverbandes hielt der Vizepräsident des Landesverbandes Steiermark, Dr. Franz Unterasinger, am 27. August 2006 folgende Rede:

Johann Wolfgang von Goethe ließ Faust im Monolog sagen: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!“ Dieser Satz passt gut zur Feierstunde. Goethe wollte damit zum Ausdruck bringen, dass der Mensch zurückblicken soll in die Vergangenheit, in der Gegenwart innehalten und mit der Vergangenheit und Gegenwart die Zukunft erobern soll.

Der Blick 155 Jahre zurück führt zu den Kriegen der öster­reichischen Monarchie nach der Revolution gegen Sardinien in Oberitalien, zu den siegrei­chen Schlachten von Feldmarschall Radetzky 1848 in Custo­zza und 1849 in Novara. Die heimgekehrten Soldaten haben den Kameradschafts­bund Wildon gegründet, einen der ältesten Verbände der Stei­ermark. 1851 wurde das Silves­terpatent erlassen, in dem viele Reformen zurückgenommen wurden, nicht aber die Befrei­ung der Bauern und die Gleich­heit aller Staatsbürger vor dem Gesetz. Der Niedergang der Monar­chie ließ sich trotzdem nicht aufhalten: 1859 folgten die Niederlagen bei Magenta und Solferino, 1866 bei Königgrätz. Die Siege bei Custozza und Lissa konnten den Verlust von Oberitalien und Venedig nicht mehr verhindern.

Die Soldatenverbände waren in dieser Zeit Traditionsverbände und Wehrverbände, aber auch Sozialvereinigungen zur Versorgung von Kriegsversehrten, Witwen und Waisen.

1876 wurde Fürst Alfred von und zu Liechtenstein Protektor des Ortsverbandes und 1879 konnte die erste Fahne, mit Fahnenpatin Gräfin Khuen, geweiht werden. Nach der Besetzung von Bosnien-Herze­gowina 1878 zogen viele, auch steirische Soldaten in den nicht erklärten Krieg am Balkan. Aus dieser Zeit sind die ersten Krie­gerdenkmäler überliefert.

1885 erfolgte die Verleihung des Rechts zur Führung des Reichsadlers. 1910 wurde Baron Bachofen-Echt Protektor des Verbandes. Zu Beginn des Krieges 1914 bis 1918 wurde der Kameradschaftsbund mit der Bewachung der Murbrücke und der Kainachbrücke betraut. 1921 wurde das erste Krieger­denkmal in der Bahnhofstraße errichtet.

Trotz des Schwurs: "Nie wieder Krieg" ist der Zweite Weltkrieg bereits 1939 aus­gebrochen. 1948 wurde der ÖKB neu gegründet und 1951 das Denkmal durch Tafeln für die Gefal­lenen aus dem Zweiten Welt­krieg ergänzt. 1969 wurde das Gedenkkreuz am Kirchplatz errichtet und 1991 das Kriegerdenkmal an den heutigen Standort verlegt.

österreich hat einen gewaltigen Aufstieg zu verzeichnen, ist den Vereinten Nationen beige­treten, dem Europarat und 1995 der EU. österreich wurde ein geachtetes Mitglied der Staatengemeinschaft und hat heute eine geringere Pro-Kopf-­Verschuldung als die Schweiz. Der Kameradschaftsbund hat sich vom Heimkehrerverband zum Verband der Soldaten des österreichischen Bundeshee­res gewandelt. Er hat 53.000 Mitglieder in der Steiermark. 85% der Mitglieder haben im Bundesheer ihren Dienst geleistet; er hat eine eigene Zeitung, ist im Internet vertreten und hält im Jahr 141 Wehrdienstberatungen ab und 550 sonstige Veranstaltungen. Er nimmt an 582 kirchlichen Feiern teil und führt 1.422 Sportveranstaltungen durch. Trotzdem müssen die Ziele immer neu definiert und ver­folgt werden. Das erste Ziel ist das Werben um die Jugend mit der Verbundenheit der Kame­radschaft und der Verbunden­heit im Vereinsleben. Das zwei­te Ziel ist die Sicherheitspolitik: Es muss eine Stärke und Aus­rüstung des Bundesheeres gesi­chert werden, die es ermög­licht, Katastrophen zu beherr­schen und Krisen einige Zeit zu bewältigen, bis internationale Hilfe möglich ist, und es muss möglich sein, UN-Soldaten als Boten des Friedens zu entsen­den. Das dritte Ziel ist die soziale Unterstützung der Mit­bürger bei Katastrophen und Schicksalsschlägen. So wurden 2005 14.000 Euro für Hoch­wasseropfer gespendet. Das vierte Ziel ist die kameradschaftliche Verbundenheit im Verband und unter den Kame­raden. Nur wenn diese Ziele verfolgt werden, wird der öKB Bestand haben und wird die moralische Berechtigung weiter bestehen, am Kriegerdenkmal Feiern abzu­halten, wobei nicht nur der Gefallenen der Kriege gedacht wird, sondern auch der gefalle­nen UN-Soldaten, der Soldaten des Bundesheeres, der Exeku­tivbeamten und der Feuer­wehrleute.

Das Denkmal ist als Gedenk­stätte und Mahnung zum Frie­den zu sehen und zu bewahren. „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, ist von Johann Wolfgang von Goethe überliefert. Die Feier „155 Jahre OV Wildon“ und die Segnung des restau­rierten Kriegerdenkmals sollen dazu dienen, diesen gültigen Leitsatz mit Leben zu erfüllen und mit Lebendigkeit in die Zukunft zu tragen!


Ein Soldatenschicksal

Unter dem Titel „Soldatenschicksale“ hat Friedrich Brettner von ihm gesammelte Berichte ehemaliger Soldaten des II. Weltkrieges veröffentlicht.
Das Buch enthält auch die Schilderungen unseres Ehrenmitglieds Richard Neumeister über seine persönlichen Erlebnisse als Angehöriger der 5. Gebirgsjägerdivision, die mit freundlicher Erlaubnis des Herausgebers, hier wiedergegeben werden:

In Wildon in der Steiermark besuchte ich die Volksschule. Am 14. Februar 1943 erhielt ich die Einberufung zum RAD nach Hengsberg und am 20. April 1943 die Überstellung zur militärischen Ausbildung nach Marburg a. d. Drau.

Im Juni 1943 wurden wir von der sMG-Kompanie zur Überwachung der Eisenbahnbrücke, nach Steinbrück bei Cilli abgestellt. Es waren dort Stellungen mit Losungsnamen vorbereitet: Mailand, Storchennest, Gartenstadt und Gugelhupf. Zusätzlich wurde unsere Kompanie zu Partisaneneinsätzen eingeteilt. Im September 1943 wurden wir nach Leoben befohlen. Dort stellte man das Hochgebirgsbataillon 4 zusammen.

Am 21. 11. 1943 stand das Bataillon am Bahnhof Leoben abfahrbereit. Genau um 11.34 Uhr setzte sich der Transport in Bewegung und rollte der Südfront in Italien entgegen. In Spoleto wurde ausgeladen und weiter ging es im LKW nach Manopello, danach zu Fuß nach Pennapiedemonte, in den Ostabruzzen, unserem Einsatzort.

Die Zivilbevölkerung wurde am nächsten Tag evakuiert, sie konnte nur Handgepäck mitnehmen. Uns gegenüber standen englische Einheiten. Nach 14 Tagen hatten wir den ersten Artillerieüberfall, welcher für uns junge Soldaten die Feuertaufe war. Bei einem Einsatz im Jänner 1944 hob unsere Gruppe einen Gefechtsvorposten aus. Dafür erhielten der Gruppenführer das EK1, der SMG-Schütze und ich das EK 2.

Im März 1944 ging es nach Monte Cassino, wo wir am Monte Cairo die Stellungen besetzen mussten. Es war kein leichter Einsatz. Aber mit viel Glück und Gebet überstand ich auch diese Hölle.

Am 15. Mai 1944 wurde ich leicht verwundet und musste zurück zum Heeresverbandsplatz, der schon chaotisch geräumt wurde. So ging es fluchtartig bis Forli, wo sich unser Bataillon sammelte. Anfang Juni wurden wir mit der Eisenbahn zur ligurischen Küste befördert. Als Schutztruppe mussten wir aber feststellen, dass es bereits Partisanenüberfälle gab. Dementsprechend wurden wir eingesetzt.

Im September 1944 wurden wir in die Westalpen, zum französisch-italienischen Grenzkamm des Mt. Argentera verlegt. Am 1. Oktober starteten wir eine Vorfühlung für eine Unternehmung, wobei wir in einen Hinterhalt gerieten. Von uns zwölf Mann, kamen nur drei davon, ich mit einem Streifschuss am Kopf und einem Splitter im Fuß. Es waren französische Freiheitskämpfer, die neun Mann erschossen.

Am 5. November 1944 wurden wir zum Abetonepaß verlegt. Anfang Jänner wurde ein Teil unserer Einheit an die Invasionsfront nach Frankreich abgestellt. Da mein Kamerad Spreitzhofer und ich noch nie Heimaturlaub hatten, wurden wir von Heidelberg aus nach Hause geschickt. Wir sollten uns nach drei Wochen in Kaiserslautern zurückmelden, wurden aber nach Freiburg im Breisgau dirigiert, wo wir erfahren mussten, dass unsere Einheit vollständig aufgerieben worden war. Weshalb wir beide zu unserer Stammeinheit in Italien zurück mussten. Nach 29 Tagen erreichten wir unsere alte Stellung. In Italien ging es schön langsam dem Kriegsende zu, es gab keine richtige Führung mehr, und so versuchte jeder sich nach Möglichkeit davon zu machen.

Am 29. April waren einige Kameraden und ich am Brennerpass angekommen, wo uns von der Feldgendarmerie die Waffen abgenommen wurden. Wir waren uns selbst überlassen. Ein Kamerad aus Peggau (Stmk.) und ich entschlossen uns, nach Hause zurückzukehren, ein fast tödlicher Entschluss. Mit einem Zug, der am Brenner zusammengestellt wurde, kamen wir nach Innsbruck. Von Innsbruck wieder schwarz in einem Zug bis St. Michael in der Steiermark, wo die Feldgendarmerie die Waggons nach Fahnenflüchtigen durchsuchte und wir schnell das Weite suchen mussten. Wir nutzten jegliche Möglichkeit, die sich uns bot, und erreichten ohne Ausweis und Waffe am 4. Mai 1945 Leoben, wo wir uns sofort bei der Frontleitstelle meldeten. Es war für uns eine Befreiung, dass wir mit einer Kompanie Landesschützen den Marschbefehl zum Semmering erhielten. Am Abend kamen wir in einem Jagdhaus bei Spital am Semmering an, wo uns ein Oberleutnant mit den Worten empfing: „Die Landesschützen werden abgeholt, die zwei Fahnenflüchtigen müssen zum Kommandeur“. Der Herr Major E. Starkl empfing uns ungewöhnlich freundlich: „Setzt euch einmal nieder, und erzählt uns euer Erlebnis“. Da wir uns keiner Schuld bewusst waren, berichteten wir wahrheitsgemäß. Wir hatten die Wahl uns einer kleinen Kompanie Gebirgsjäger anzuschließen, oder den Schutz des Regimentsgefechtsstandes an Ort und Stelle zu verstärken. „Herr Major, wir werden unser Bestes geben“. Dem Koch befahl er warme Suppe und Zigaretten für uns zu bringen, was wir dankend annahmen. Da wir noch nicht ortskundig waren, sollten wir zum Schlafen zu den Meldern in den Keller.

Am 5. Mai mussten wir einen Zaun wegen Feindeinsicht errichten, dann wurden wir zur Quartierbewachung und abends als Posten eingeteilt.

Am 8. Mai stand ich auf Posten mit dem Gewehr eines Melders, denn es war ein Kommen und Gehen. Um 03.30 h kam ein Feldwebel mit Panzeruniform und sagte: „Mensch, was machst denn du hier, schau dass du wegkommst, der Krieg ist doch aus“.

Durch die Melder erfuhr ich erst, dass ich beim Gebirgsjägerregiment 155 der 9. GD war. Ich packte meine Sachen und machte mich auf den Weg nach Spital am Semmering, wo ein heilloses Durcheinander herrschte. Der Verkehr stockte, und es war ein Leichtes, auf einen LKW aufzuspringen. In Bruck mussten wir absteigen, da der LKW nach Deutschland weiterfuhr. Ein ungarischer Offizier nahm uns beide bis nach Peggau und Graz mit. Als ich zu Hause bei meiner Mutter ankam, tauschte ich meine Uniform sofort gegen Zivilkleidung aus.

Am 9. Mai marschierten die Russen in Graz ein. Ich hatte keine Sanktionen zu spüren, da ich mit meinen 20 Jahren noch recht jugendlich aussah. Da mein Onkel in Afram bei Wildon eine Landwirtschaft besaß, konnte ich durch meine Mithilfe in der Landwirtschaft für meine Mutter und mich das Essen verdienen. Die Zeiten waren hart, aber es wurde immer besser.

Anmerkung: Das Buch „Soldatenschicksale“ ist im Eigenverlag (www.brettnerbuch.at) Prof. Friedrich Brettner, A-2640 Gloggnitz, Weißenbachstraße 21 erschienen. Prof. Brettner ist Leiter des „Museums für Jüngere Zeitgeschichte“ in der Renner-Villa in Gloggnitz.


Partnerschaft über die Landesgrenzen hinweg

Der Ortsverband Wildon des Österreichischen Kameradschaftsbundes war einer von 32 Orts- und Stadtverbänden aus Kärnten, Salzburg und der Steiermark, die sich am Mariä Himmelfahrtstag 2008 nach St. Georgen im Lavanttal aufgemacht hatten, um dem dortigen Ortsverband zum 40-jährigen Bestand zu gratulieren.

Nach dem farbenprächtigen Einzug der Fahnen wurde auf dem Festplatz der Vereinsgemeinschaft ein Gottesdienst umrahmt von der Trachtenkapelle gefeiert und die traditionelle Kräutersegnung vorgenommen.

Dann schritten die Obmänner Peter Schrammel und Wilhelm Peier zur feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden, die das gute Einvernehmen zwischen den Kameraden aus St. Georgen i. Lav. und Wildon nunmehr dokumentieren.

Seit dem Jahr 2000 hat sich zunächst auf privater Ebene zwischen dem damaligen Obmann und nunmehrigen Ehrenobmann des OV St. Georgen im Lavanttal, Jürgen Linhart, und dem Obmann des Wildoner Vereins begonnen eine Freundschaft zu entwickeln, die sich bald auf Vereinsebene in Form gegenseitiger Besuche fortsetzte.

Vorläufiger Höhepunkt dieser Beziehung war nun die feierliche Besiegelung der Partnerschaft in Form der Unterzeichnung der entsprechenden Urkunden an diesem denkwürdigen Tag.

Mit dem Tausch von Auszeichnungen und Ehrengeschenken wurde dieser Teil des Festes, dem zahlreiche steirische und Kärntner Honoratioren die Ehre ihrer Anwesenheit gaben, abgeschlossen.